Hofmann & Voges Entertainment GmbH
   

25.03.2008

Adolf-Grimme-Preis 2008 für KDD

Großer Erfolg für Hofmann & Voges: Der diesjährige Grimmepreis im Wettbewerb Fiktion geht an die vielfach ausgezeichnete Produktion KDD-Kriminaldauerdienst.

Begründung der Jury:

Der deutsche Kriminalfilm hat eher einen ausgeprägten Hang zur Gemütlichkeit, zu ermittelnden Gutmenschen, gedrosseltem Tempo und geschlossenen Dramaturgien. Die Serie „KDD-Kriminaldauerdienst“ bricht mit vielem und stürzt den Zuschauer in einen bekömmlichen Schwindel. Endlich einmal kein Kommissar, der die Welt rettet, sein Bundesland repräsentieren muss, das Chaos bannt und die Menschen in Gut und Böse teilt; einmal keine Ohrensessel-Betulichkeit, sondern, stattdessen, Tempo, Rasanz, fordernde Dramaturgien, gebrochene Charaktere, Kriminale mit schmuddeliger Weste.

Da ist allen voran Jan Haroska, trockener Alkoholiker, der schmutziges Drogengeld unterschlägt, um seine Tochter zu unterstützen. Manfred Zapatka, der Spezialist für Grautöne und Grenzgänger, spielt ihn fabelhaft. Da ist der Chef Helmut Enders, dessen biederes Familienidyll zerbricht, als seine Tochter bei einem durch Drogen verursachten Verkehrsunfall ums Leben kommt: Götz Schubert brilliert hier als taumelnder Vorgesetzter. Da ist Kristin Bender, berührend gespielt von Saskia Vester, die nicht wagt, sich vor den Kollegen zu ihrer lesbischen Lebenspartnerin zu bekennen. Da ist Leo Falckenstein, ein Sensibelchen mit Helfersyndrom, der von Barnaby Metschurat voller Empathie gezeichnet wird. Und schließlich begegnen wir Sylvia Henke, die sich mit nymphomanen Anwandlungen plagt und von Melika Foroutan - mit im deutschen Krimi oft entbehrter Coolness - zum Leben erweckt wird. Und da ist endlich der türkische Kollege Mehmet Kilic - bezwingend intensiv von Billey Demirtas verkörpert -, der sich in eine arrangierte Ehe fügt und nicht genau weiß, wo seine Heimat ist. Das sind Helden ohne Heldenbild, das sind Kommissare ohne Trenchcoat ums Herz und Hut auf der Seele.

Autor Orkun Ertener hat dieses unheile-heilsame Welt auf die Beine gestellt und seinen Figuren eine Tiefe verliehen, die ansonsten in diesem Genre selten anzutreffen ist. Die Serie sträubt sich gegen den linearen Erzählfluss, sie nimmt dezentrierte Welt- und Alltagserfahrungen ernst und übersetzt sie in Bilder, welche die Sinne herausfordern. Regisseure wie Matthias Glasner, Lars Kraume und Filippos Tsitos setzen die Bücher kongenial um und lassen die Figuren nervös durch ihre Leben tanzen. Und die Kamera, stellvertretend sei hier Sonja Rom genannt, ist hungrig, zupackend, im ewigen Unruhezustand. „KDD-Kriminaldauerdienst" schmückt als Serie das deutsche Fernsehen - in Zeiten, wo die deutsche Serie eher als Krisengenre von sich reden macht, ist das ein kleines, fast ein großes Wunder.